Niemand sah den harten Glanz in seinen Augen, der nur von absoluter Selbstbeherrschung und dem starken Willen herrührte, diese Aufführung zu beenden, koste es was es wolle.
Auch als Nathan schließlich an der Reihe war, das Schlachtfeld zu betreten und seinen Teil in dem Finale zu leisten, fielen ihm die rasselnden Atemzüge des Herrschers, die Anzeichen steigender Erschöpfung auf, lenkten ihn von seiner eigenen Aufgabe, so klein sie auch war, empfindlich ab.
Er fühlte, dass Liam litt, spürte seine Qual, ohne sie sehen zu können. Auch wenn Liam sich stolz aufrecht hielt, auch wenn er die Vorführung tapfer beendete, ohne dass jemand außer Nathan etwas zu bemerken schien, so wusste, hörte Nathan doch allein an der Stimme des anderen, dass ihm weder Worte noch Töne so leicht und schwerelos von den Lippen perlten, wie es ansonsten ihre Gewohnheit war.
Der Vorhang sank und der Beifall brandete auf. Nathan rollte sich zur Seite, erhaschte einen Blick auf Liam. Dieser stand vornübergebeugt, sein Gewicht lastete auf dem unbeschädigten Bein, erlaubte dem Publikum den Blick auf die erstarrte Szenerie, auf den gebeugten König, der inmitten seiner gefallenen Krieger aufragte. Liam hatte sich erhoben, strahlte in die Menge, verbeugte sich mit einer eleganten Handbewegung. Einer Geste, die er allabendlich wiederholte. Auch an diesem Abend büßte sie nichts von ihrer Magie ein, zwang die Zuschauer, sich von ihren Sitzen zu erheben und ihrer Begeisterung, Ausdruck zu verleihen.
Ein weiterer Vorhang, eine weitere Atempause. Das endlose Vorbeiziehen der einzelnen Darsteller, nachdem das Bild neu arrangiert worden war; diesmal mit stehenden Teilnehmern. Und wieder neu mit weniger oder mehr Personen. Die Hauptdarsteller einzeln. Ein nicht enden wollender Strom, eine nicht enden wollende Geräuschkulisse aus klatschenden Händen, begeisterten Rufen.
Der Zauber der Musik, die Entführung in das Leben phantastischer Sagengestalten, das war es, was die Menschen immer und immer wieder in dieses Theater zog. Das war es, was in Nathan die Sehnsucht erweckt hatte, Teil dieses Zaubers sein zu dürfen.
Sich zurückziehende Darsteller schoben und drängten ihn zurück, wiesen ihm den Weg zur Seite, zur Garderobe, zum Ausgang. Nur fort von dem Ort, an dem das Geschehen statt fand. Dem Ort, an dem Glückwünsche ausgetauscht, Kontakte geknüpft, der Abend, die Arbeit einen Ausklang und ihr Ende fand. Fort von Liam, dessen Ausdruck von Blässe, durchzogen mit bisher verborgen gebliebenen, zusätzlichen, doch urplötzlich hervorgetretenen Falten, sich für immer in Nathans Erinnerung gegraben hatte.
Der Abbau, ein Rückzug begann und Nathan legte Hand an, schlängelte sich wieder hinein, zögerte den Moment heraus, der die Rückkehr in sein kaltes, unbequemes Zimmer bedeutete. Was er wollte, wusste er nicht in Worte zu fassen. Nur, dass er bleiben musste, dass ihn etwas Unaussprechliches in diesem Gebäude des allabendlichen Zaubers festhielt. Eine undefinierte Sehnsucht, die ihn zwang, auszuharren, die ihn dazu brachte, das langsame Verlassen, Erkalten, Erlöschen der Pracht mitanzusehen, die keine Pracht mehr sein durfte, wurde ihr das Publikum entrissen.
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