Carolyn seufzte. Etwas zu laut, denn eine Bewegung riss sie aus ihren Gedanken. Hastig blickte sie auf und ihre Augen trafen auf die dunklen, mandelförmigen Augen eines Mannes, der einen Tisch weiter, ihr genau gegenüber saß. Er trug sein Haar offen. Lang und in glänzendem Schwarz fiel es ihm auf die Schultern. Geteilt in einem Mittelscheitel, der die Länge des Gesichtes betonte. Schmal und bronzefarben, mit ausgeprägten Wangenknochen, wandte es sich ihr zu. Und wenn sie sich nicht täuschte, spielte ein belustigter Zug um seine Lippen. Sein Hemd sah aus wie aus Leder gefertigt. Fransen schmückten die Taschen und die Borte. Er saß seitwärts, an den Tisch gelehnt, so dass sie die verwaschenen Jeans ausmachen konnte, die sich eng an seine muskulösen Beine schmiegten.
Er sah gut aus, beinahe verboten gut. Carolyn wusste nicht, ob es vielleicht der Alkohol war, der aus ihr sprach, doch sie konnte den Gedanken nicht zurückhalten. Ein wirklich schöner Mann, ein Bild von einem Mann, einem Traum entstiegen. Zu unwirklich, um real zu sein.
Doch in diesem Moment stand er auf. Sein Haar schwang mit der Bewegung. Seine Stirn überflog ein kurzes Runzeln, als überlegte er noch, doch glättete sich die Haut umgehend wieder. Oh ja, er war schön. Und Carolyn stockte der Atem, als er näher kam. Als er sich auf sie zu bewegte.
„Darf ich?“ Seine Stimme klang dunkel und samten, so wie sie es sich vorgestellt hatte. So wie eine Stimme klingen sollte. Nicht heiser und rau, wie Dons. Nicht scharf und schneidend wie die ihres Mannes. Eine sanfte Stimme. Eine Stimme, die ihre Sinne streichelte, ebenso wie sein Anblick es tat.
Sie nickte stumm. Der Kloß in ihrem Hals hinderte sie daran, weiter zu sprechen.
„Es tut mir leid“, sprach er weiter. Immer noch mit diesem leisen Lächeln in seiner Stimme. „Normalerweise spreche ich keine Fremden in einer Bar an.“ Er sah kurz zur Seite. „Normalerweise besuche ich auch keine Bars“, fuhr er fort. „Doch heute, heute fühlte ich, dass etwas Besonderes auf mich wartete. Und ich ging aus, es zu suchen.“
„Etwas Besonderes?“, wiederholte Carolyn nervös. „Ich… ich verstehe nicht. Was meinen Sie damit?“
Der Mann wandte sich ihr wieder zu, fing ihren Blick. „Etwas Besonderes wie Sie“, antwortete er.
Carolyn schluckte. Sie konnte sich selbst nicht erklären, warum sie diesem Mann nicht einfach die kalte Schulter zeigte, ihn stehen ließ, so wie sie schon unzählige andere stehen gelassen hatte.
„Reden Sie doch keinen Unsinn“, erwiderte sie, nicht ganz zu abweisend wie sie es vorgehabt hatte.
Der Fremde lehnte sich vor zu ihr. „Das ist kein Unsinn“, erwiderte er ernsthaft. „Ich wusste, dass sie kommen. Es wurde mir mitgeteilt.“
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