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Japadu - Carolyns Traum

Carolyns Augen wurden groß und anstelle einer Antwort zog sie ihre Brauen zusammen und wich ein Stück zurück.

Der Mann lächelte. „Ich weiß auch, wie das klingt“, sagte er leise und schüttelte leicht seinen Kopf.

„Dennoch ist es die Wahrheit. Dennoch spüre ich Ereignisse bereits bevor sie geschehen. Es… es ist eine Gabe.“

Carolyn presste ihre Lippen zusammen und hob das Kinn. Der jahrelang geübte und bis zur Perfektion vollendete Blick voller Verachtung traf sein neuestes Opfer. Doch diesmal schien er keinen Effekt zu haben, zumindest nicht den, den sie sich erhofft hatte.

„Eine Gabe also.“ Sie konnte nicht verhindern, dass ihr die Worte entschlüpften und ihr augenscheinliches Desinteresse Lügen strafte.

„Was für eine Gabe sollte das wohl sein.“

Das  Lächeln des Mannes vertiefte sich, erreichte dunkle Augen, die belustigt aufblitzten. Carolyn spürte, wie sie rot anzulaufen begann und verwünschte ihre Schwachheit. Wieso hatte sie sich auf ein Gespräch eingelassen. Jetzt, genau in diesem Moment sollte sie aufstehen und gehen.

Doch als sie Anstalten machte, sich zu erheben, fühlte sie zu ihrem Erschrecken, wie ein starke Hand nach der ihren griff, wie lange Finger sich kühl auf die ihren legte, mit denen sie gerade vorgehabt hatte, sich auf dem Tisch abzustützen. Als entwiche ihre Luft aus den Lungen, so sank sie vor Schreck wieder zurück auf ihren Sitz. Vor Schreck? Oder war es ein anderes Gefühl, das in ihr aufflackerte, ohne dass sie dagegen Einspruch erheben konnte. In diesem Augenblick zählte jedoch nur das angenehm kühle Gefühl einer fremden Hand auf der ihren. Ein Blick, der in ihre Seele tauchte. Ein Duft, der so fremdartig, so anders und gleichzeitig so betörend war, dass sie sich seiner Quelle unwillkürlich entgegen schob. Ein Geruch nach Holzkohle und Gras, nach Leder und Rauch, vermengt mit der feinen Würze getrockneter Kräuter. Ein Duft, der Geheimnisse offenbarte und doch noch mehr verheimlichte.

Carolyn konnte nicht umhin, einen tiefen Atemzug zu nehmen. Ihr Gesicht näherte sich dem dunklen Haar des Mannes, in dem der Ursprung des exotischen Zaubers geborgen schien.

„Du spürst es auch.“ Es war eine Feststellung, keine Frage. Und Carolyn wollte verneinen, doch fühlte, wie sie automatisch zu nicken begann.

Der Fremde lehnte sich weiter vor und sie starrte gebannt auf die sich langsam und ruhig bewegenden Lippen. „Manchmal führen die Ahnen uns. Wir müssen nur darauf hören.“

„Führen uns… wohin?“, flüsterte Carolyn verwirrt. „Ich verstehe nicht.“

Der Mann lachte und entblößte zwei Reihen weißer Zähne. „Das wirst du schon noch“, sagte er. „Vertraue mir.“

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